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Fünf Höchstadter sind Bandy-Weltmeister

Mit Spielern vom HK Zubr holt die deutsche Nationalmannschaft den B-Titel - 16.02.2016 15:13 Uhr

Bei der Bandy-WM im russischen Uljanowsk wuchsen die deutschen Nationalspieler (in den schwarzen Trikots) über sich hinaus – und wurden am Ende gegen Ungarn B-Weltmeister.

Bandy, bitte was? Nein, hinter dem jung klingenden Namen verbirgt sich weder eine Boyband noch eine neue Dating-App fürs Smartphone, sondern eine Sportart – und zwar eine altehrwürdige. Denn Bandy (sprich: Bändi) wird vermutlich schon seit dem Mittelalter gespielt. Und: Die Sportart ist der Vorläufer des heutigen Eishockeys.

So ähnlich spielt sich Bandy auch, nur dass die Partien auf einem zugefrorenen Fußballfeld mit größeren Toren stattfinden und dass der Schwerpunkt weniger auf Robustheit und Checks, sondern auf Schnelligkeit und Ausdauer liegt.

In Höchstadt betreiben Spieler des Eishockey-Vereins HK Zubr die Sportart, allerdings nur unter Schwierigkeiten. Denn in Deutschland finden sich nur wenige Möglichkeiten richtiges Bandy zu trainieren. Die Spieler vom HK reisen dafür in der Regel bis nach Mainz, wo der Deutsche Bandy-Verband sitzt. In Höchstadt selbst war die Nachfrage zuletzt zu gering, um genügend Mitspieler zusammenzubekommen.

Die seit drei Jahren existierende Nationalmannschaft hält öfter Trainingslager in Davos ab. Denn in ganz Europa – die skandinavischen Staaten ausgenommen – gibt es nur in der Schweiz ein echtes Bandy-Feld.

Bei der B-Weltmeisterschaft im russischen Uljanowsk hat man dem Team diese Trainingsschwierigkeiten nicht angemerkt. Denn am Sonntag wurde die Nationalmannschaft vor über 2000 Zuschauern mit einem 5:4-Finalsieg über Ungarn B-Weltmeister.

Mit dabei waren auch die Höchstadter Spieler Alexander Koptew, Viktor Rud, Dimitrij Kusmin, Alexej Zigankov und Eugen Pil. Für Kusmin war es bereits die dritte WM-Teilnahme, er war mit sechs Treffern der zweitbeste Schütze des deutschen Teams. Auch für Koptew hat sich die Fahrt nach Russland gelohnt, er machte gegen Estland sein erstes Tor. Rud hütete als zweiter Torwart in zwei Spielen das deutsche Gehäuse, Zigankov konnte sich eine Vorlage auf sein Scorer-Konto gutschreiben lassen.

Mit dem B-Titel hat Deutschland das Recht – ähnlich wie im Eishockey – in die A-Gruppe aufzusteigen. Ob das passiert, muss der Verband entscheiden. Der hofft auf jeden Fall, dass der Titelgewinn der Sportart Aufschub geben könnte.

Denn: In Deutschland war Bandy eigentlich schon fast ausgestorben. 1901 wurde in Berlin-Charlottenburg der erste Verein gegründet, auch in Leipzig gab es einen Klub. Doch durchsetzen konnte sich die Sportart nie. Versuche, einen Verband zu gründen, scheiterten in den Siebzigern und in den Neunziger Jahren. Erst durch Einwanderer aus der ehemaligen UdSSR wurde Bandy hierzulande wieder öfter gespielt. In Russland, der neben Schweden seit Jahrzehnten dominierenden Nation, ist der Sport sehr beliebt.

Auch Somalia war mit dabei

Auch im Höchstadter Verein HK Zubr haben viele ihre Wurzeln in ehemaligen Sowjet-Republiken, sagt der der Vorsitzende Sergej Vogelsang: „Viele haben es dort noch als Kinder gespielt.“ Eine eigene Liga gibt es in Deutschland noch nicht, die Höchstadter tragen ab und zu Freundschaftsspiele gegen andere Hobby-Vereine aus. Aber auch den deutschen Rinkbandy-Pokal hat der HK schon an die Aisch geholt. Rinkbandy ist eine Variante des Bandy, bei dem auf einem Eishockeyfeld mit leicht abgeänderten Regeln gespielt wird.

Dass Bandy nicht nur in Deutschland dabei ist, an Popularität zu gewinnen, bewies die Zusammensetzung der anderen Teams bei der WM. Neben China, den Niederlanden und der Mongolei stand auch die Nationalmannschaft von Somalia auf dem Eis. Die Spieler des afrikanischen Teams sind Geflüchtete, die in Schweden leben.

Gegen eben diese Somalier trug auch die deutsche Nationalmannschaft 2014 ihr erstes Weltmeisterschafts-Spiel aus. Die Deutschen waren am Ende vor 700 Zuschauern siegreich: Sie gewannen mit 22:1.  

ALEXANDER PFAEHLER

Quelle: http://www.nordbayern.de/region/hoechstadt/funf-hochstadter-sind-bandy-weltmeister-1.4992541

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